Wie eine Scheidung Altersarmut verursacht – und wie man das verhindert.

9. September 2020 0
Hits
0

In Zeiten von Corona, wo viele Menschen bereits am Existenzminimum nagen oder keine Arbeit mehr haben oder schon seit Jahren unter (Alters-) Armut leiden, hat so jeder sein eigenes Sorgenpäckchen zu tragen. Wer bringt da noch die Energie auf, über Rente, Altersvorsorge und Sicherheiten nachzudenken?

Aber was sein muss, muss sein. Wichtig ist, dass sich jeder – ob jung oder alt – eingehend informiert.

Seit Jahren ist das Rentenfiasko ein heiß diskutiertes Thema. Und leider entscheiden über Rentenfragen ausschließlich solche Personen, die davon in keiner Weise betroffen sind. Sie haben nicht das geringste Interesse, daran etwas zu ändern, weil sie erheblich davon profitieren. Nicht umsonst haben Bundestag und Länderparlamente es immer wieder abgelehnt, ihre eigene Altersversorgung der gesetzlichen Rentenversicherung anzuvertrauen.

Da werden wir noch viele Jahre diskutieren und diese Ungerechtigkeit anprangern müssen, bevor politische Entscheidungen zum Wohle ALLER gefällt werden.

Rentner-Revolte hat schon mehrere Beiträge bezüglich Rente veröffentlicht. Heute haben wir einen Gastbeitrag zum Thema »Scheidung und Rente«.

Rente Sparglas

Gastbeitrag 09.09.2020 von Herrn Rechtsanwalt Christian Kieppe

Es gibt möglicherweise keine bessere Vorstellung vom eigenen Lebensabend, als durch seinen langjährigen Lebenspartner und Ehegatten in seelisch wie finanziell schwierigen Situationen vervollständigt zu werden. Diese Idee wird allerdings nicht für alle verheirateten Menschen Wirklichkeit, weil ihnen eine Scheidung vor oder während ihrer Rentenbezugszeit widerfährt. Herr Rechtsanwalt Christian Kieppe von Online Scheidung Deutschland erläutert hieraus für die eigene Alterssicherung resultierende Gefahren und geeignete Maßnahmen, diese abzuwenden.

So greift die Scheidung auf Ihr persönliches Vermögen zu.

Abseits von Scheidungen ist die wohl stärkste Sicherheit für ein finanziell sorgenfreies Leben im Alter ein möglichst großes Vermögen. Dieses Vermögen kann sich im Besitz von Immobilien, Aktien, Autos oder anderen Gütern widerspiegeln. Wichtig ist der Besitz von Gütern deshalb, weil sie durch ihren Verkauf zu Geld gemacht, oder beispielsweise durch ihre Vermietung (Immobilien), Kurssteigerungen oder Dividendenzahlungen (Aktien) eine Rendite abwerfen.

Für die meisten Menschen in Deutschland gehören die oben genannten Vermögenswerte jedoch in die Luxuskategorie und stellen vielmehr einen Bonus zur staatlichen Rente dar. Diese wiederum sollte auch als Vermögenswert angesehen werden – schließlich ist der Rentenanspruch ein staatlich garantiertes Versprechen gegenüber dem Einzahler. Das Versprechen beinhaltet, den Einzahler für den Zeitraum seines Ruhestandes finanziell zu versorgen. Man kann das Rentensystem auch mit dem Sparen auf einem Bankkonto vergleichen. Der Betrag wächst stetig an und reicht hoffentlich ab dem Zeitpunkt des Zugriffs bis zum Lebensende aus. Wer über einen Geldbetrag auf seinem Bankkonto verfügen kann, der würde womöglich ohne zu zögern von seinem persönlichen Vermögen sprechen – so kann man es auch mit seinen Rentenansprüchen tun.

Versorgungsausgleich legt die Rente in die Hand des Richters.

Mit der Ehe gehen die Gatten ein rechtliches Bündnis ein, für das im Falle ihrer Scheidung bestimmte Folgen im Bürgerlichen Gesetzbuch vorgesehen sind. Diese äußern sich unter anderem darin, dass die während der Ehedauer erworbenen Rentenansprüche ausgeglichen werden. Zumindest dann, wenn sie unterschiedlich hoch sind. Wenn sich die gleichartigen Rentenansprüche im Vergleich nur geringfügig unterscheiden oder die Rentenanwartschaften der Höhe nach eine Geringfügigkeitsgrenze nicht überschreiten, wird der Versorgungsausgleich in der Regel nicht durchgeführt.

Ansonsten wird der Versorgungsausgleich zwingend durchgeführt, wenn die Gatten länger als drei Jahre verheiratet waren. Unter drei Jahren Ehedauer ist der Antrag eines Gatten erforderlich. Sinn und Zweck des Versorgungsausgleichs liegt insbesondere darin, mit Blick auf die Scheidungsfolgen den Ehepartner sozial abzusichern, der in der Ehe weniger gearbeitet hat oder arbeiten konnte, weil er die Kinder versorgt hat.

Gleichzeitig kann der Versorgungsausgleich im Einzelfall auch zu Ungerechtigkeiten führen. Zum Beispiel dann, wenn eine große Altersdifferenz zwischen den Ehepartnern besteht oder die Ehegatten bereits vor der Scheidung sehr lange getrennt gelebt haben. Auch, wenn ein Ehegatte Vermögen aufgebaut hat, ohne in die Rentenversicherung einzuzahlen. In solchen Fällen besteht die Möglichkeit, einen Härtefallantrag zu stellen. Ziel des Härtefallantrags ist, dass das Gericht den Versorgungsausgleich entweder gar nicht durchführt oder diesen modifiziert. Gefährlich wird der Versorgungsausgleich vor allem dann, wenn ein Ehegatte bereits Rente bezieht und durch die Scheidung einen empfindlichen Abschlag auf die Höhe seiner Ansprüche hinnehmen muss. So passiert es schnell, dass ein frisch geschiedener Rentner auf die Hilfe der Allgemeinheit angewiesen ist.

Selbst über Durchführung und Inhalt des Versorgungsausgleichs bestimmen.

Der Gesetzgeber sieht im Rahmen des Scheidungsverfahrens grundsätzlich die Durchführung des Versorgungsausgleichs vor. Allerdings besteht auch die Möglichkeit, den Versorgungsausgleich durch eine Vereinbarung der Ehegatten entweder ganz auszuschließen oder zu nach seinen eigenen Vorstellungen zu gestalten. Hierzu bedarf es formal entweder der notariellen Beurkundung oder einer Vereinbarung vor Gericht, bei dem beide Parteien durch einen Anwalt vertreten sind.

So können die Ehegatten Kompromisse schließen, indem sie beispielsweise festlegen, dass bestimmte Rentenansprüche in den Versorgungsausgleich einbezogen werden sollen, andere hingegen nicht. Darüber hinaus können die Gatten beispielsweise den Berechnungszeitraumes begrenzen. In den Versorgungsausgleich werden alle in Deutschland erworbenen Rentenansprüche einbezogen. Zu den wichtigsten Rentenversicherungen gehören die gesetzliche Rentenversicherung, Betriebsrenten, Riesterrenten, Beamtenpensionen und berufsständische Versorgungswerke.

In jedem Fall bietet es sich an, zuvor bei den Rentenkassen nachzufragen, wie hoch genau die eigenen Ansprüche mit Blick auf die Ehezeit sind. Erst mit dieser Information lassen sich gut abgewogene und sinnvolle Entscheidungen über den Versorgungsausgleich treffen. Letztendlich überprüft das Gericht noch die vorgesehene Vereinbarung zum Versorgungsausgleich auf ihre Wirksamkeit. Dadurch stellt das Gericht sicher, dass kein Ehepartner durch die Vereinbarung besonders benachteiligt wird und später über eine ausreichende Altersversorgung verfügt.

E-Mail: ra.kieppe@t-online.de

Web: https://www.online-scheidung-deutschland.de

5 1 Bewertung
Article Rating
0 Comments
Inline Feedbacks
Zeige alle Kommentare