Was soll die ewige, nervige Frage nach dem Alter?

6. Oktober 2017 0
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Leider ist »Alter« hier im Lande längst kein Gütesiegel mehr … Seit langem findet eine Entwertung älterer Menschen statt – nicht nur im Arbeitsmarkt.
Es wird viel zu viel Aufhebens um die »Altersangabe« gemacht! Warum nur wird das Alter eines Menschen so in den Vordergrund gestellt? Was haben öffentlich zelebrierte Altersangaben für einen Sinn? Forcierung des Jugendlichkeitswahns? Eitelkeitsschau: Sehe ich für mein Alter nicht wunderbar jung aus? Ausmusterung der Älteren? Gewohnheitsritual?

Ältere Menschen sind ein bedeutender Wirtschaftsfaktor – und sollten nicht unterschätzt werden! Unser Know-how muss erst einmal jemand mitbringen. Lebenserfahrung lernt man nun mal nicht auf der Uni. Mit einem umfangreichen Wissen und einem großen Schatz an Erfahrungen beherrschen wir Techniken und verfügen über Fähigkeiten, die die jüngere Generation nicht mehr erlernt hat.

Die Frage nach dem Alter ist nach der Volljährigkeit ja wohl die unwichtigste Frage der Welt – oder? Die Angabe im Pass und Personalausweis reicht völlig aus. Bei archäologischen Funden ist die Frage nach dem Alter interessant und nachvollziehbar. Aus welchem Grund muss das bei lebenden Menschen zwangspublik gemacht werden? Warum? Wieso? Weshalb? Wir lassen uns unser Alter nicht auf die Stirn tätowieren! Und wir nehmen es nicht hin, systematisiert oder in eine Schublade gesteckt zu werden!

Dabei ist das Alter bzw. Älterwerden nicht das Problem, sondern das, was andere damit anfangen. Wir wollen nicht über unser Alter definiert werden und irgendwelchen Knock-out-Kriterien anheimfallen. Die öffentliche Altersangabe gehört abgeschafft. Das gilt für Frauen und Männer. Ein uralter Zopf, ein absoluter Nonsens (unter anderem Einstellungsbremse), der endgültig beseitigt gehört!!!

Tanzendes Paar
Bildurheber: Ioulia Bolchakova

Allgemein herrscht die Ansicht, ältere Menschen seien weniger flexibel, spießig, öfter krank, gar senil … Treffen diese Attribute wirklich zu?

Das kommt unter anderem darauf an, welches Selbstbild wir von uns haben, und welche Einstellung zum Altern. Wer sich alt fühlt, läuft Gefahr, sich selbst zu beschränken und seine Lebenswirklichkeit dem anzupassen, was er oder andere als altersgemäß betrachten. Das lässt uns zweifeln: »Kann ich das noch?« – »Nein, wohl nicht.« Deshalb ist es vorteilhaft, sich jung zu fühlen, und geistig wie auch körperlich beweglich zu bleiben. Das macht aktiv und lässt uns, wie eine Langzeitstudie ergab, mindestens sieben Jahre länger leben.

Menschen, die überzeugt vom Funktionieren ihres Gedächtnisses sind, prägen sich Dinge unbewusst besser ein, stellen unnötige Störfaktoren ab, und bleiben damit leistungsfähiger. Das heißt also, Alter ist Kopf- und Einstellungssache! Die Redewendung »man ist so alt, wie man sich fühlt« stimmt auch vom wissenschaftlichen Standpunkt aus gesehen. Hinzu kommt natürlich, dass die verbesserte medizinische Versorgung uns in der Regel später altern lässt. Die heute Sechzigjährigen sind weitaus jünger als die vor hundert Jahren. Und die, die meinen, dass Altersbeschwerden als normal akzeptiert werden müssen, übersehen, dass die meisten Zipperlein lediglich auf ein falsches Lebensmanagement zurückzuführen sind.

Das »Alter« hat die farbenfreudigsten Facetten. OK, die Haut mag schlaffer werden und das Haar schütterer, und gefühlsmäßig scheint die Zeit schneller zu vergehen. Aber ist es nicht so, dass wir intensiver genießen, kaum Ängste haben, häufiger die schöne bunte Welt wahrnehmen, stressfreier den Tag angehen, bewusster auf unser eigenes ICH achten, und entspannter dem Alltag gegenübertreten? Gelassenheit, emotionale Stabilität, das Verlangen nach Harmonie und die Fähigkeit zu vermitteln, steigern nicht nur unsere Lebensqualität, sondern sind Werte, die sich im »Alter« mehren und uns stärker machen. Denn es sind nicht die grauen Jahre – sondern die goldenen, die uns eine gewisse Leichtigkeit schenken, und sich zusammensetzen, aus dem kalendarischen, biologischen, gefühlten und sozialen Alter. Wir sind also in verschiedenen Bereichen unterschiedlich alt. Heutzutage erleben wir, dass man auf einem Sechzigsten Geburtstag mitunter eine Gastgeberin sieht, die glatt als Mitte Vierzig durchgehen würde. Dann gibt es wieder Vierzigjährige, die in beigem Popeline sehr altbacken wirken. Erfahrungen wie diese zeigen: Es gibt nicht mehr »das Alter« als uniforme, in Zahlen messbare letzte Lebensphase, die für alle gleich verläuft.

Wir schaffen das - älteres Pärchen
Bildurheber: Валерий Качаев

Was genau können wir tun, uns jung zu fühlen und dabei glücklich zu altern? (Siehe dazu auch unsere Kategorie »Happy Aging«.) Älterwerden ist nicht nur genetisch bestimmt, sondern hängt überwiegend von unserer Lebensweise ab. Wie alt wir werden und wie jung wir bleiben, entscheiden wir maßgeblich mit unserem Lebensstil, sowie mit unserer Lebenseinstellung. Habe ich Interesse an meinem Umfeld, an Kultur, Sport, Politik? Pflege ich gute soziale Beziehungen? Gebe ich auf meinen Körper und meine Ernährung acht? Bin ich neugierig, offen für Unbekanntes? Das sind nur einige der abwechslungsreichen Kriterien. Der Glaube an die eigene Leistungskraft, Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl beflügeln die Produktivität eines Menschen um ein Vielfaches!

So verhält es sich auch mit der Fitness und der mentalen Stimmung, die sich durch positives Denken erhöhen. Das Leben ist das Produkt unserer Gedanken, und der Körper ist geschaffen, um unseren Geist zu bewegen.

Vorteilhaft wäre es auch, den eigenen Motor, ob in der Freizeit oder im Beruf, nicht ab einem bestimmten Alter abrupt abzustellen, weil es sich »so gehört in dem Alter«, sondern weiterlaufen lässt. In einer Studie wurde festgestellt, dass bei passiven Ruheständlern die geistige Leistung Jahr für Jahr nachlässt. Körperlich und geistig aktive Menschen bleiben länger rege.

Ersparen Sie sich den Effekt der selbsterfüllenden Prophezeiung, wenn es in die negative Richtung geht. Vermeiden Sie es sich anzustecken, von Verhaltensmustern schubladendenkender Mitmenschen. Es gibt kein altersgerechtes Einigeln im Abseits! Halten Sie sich von negativen Menschen fern, denn sie haben ein Problem für jede Lösung. Lassen Sie uns jeden Tag genießen, mit all unseren netten Marotten, charmanten Ticks, reizenden Gewohnheiten und liebgewordenen Ritualen – ohne angstvoll an morgen zu denken! Bleiben Sie frei für neue Taten.

Vierzig Jahre sind das Alter der Jugend,
ab fünfzig die Jugend des Alters.

Du bist nicht nur das, was man anfassen kann,
Du bist auch all das, was sich in Deinem Kopf befindet.
Das macht Dich einmalig und wertvoll – und genau genommen unbezahlbar!

Bildurheber

  • tanzendes-rentner-paerchen: Ioulia Bolchakova

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