Was hat die gesetzliche Rentenversicherung noch mit Gerechtigkeit zu tun?

4. August 2017 1
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Was hat die gesetzliche Rentenversicherung noch mit Gerechtigkeit und sozialer Absicherung zu tun …? Renten sind zum Spielball der politischen Parteien geworden.

Teil 1 von 4 zum Thema Rente

Rentenzahlungen müssen eine menschenwürdige und selbstbestimmte Lebensweise ermöglichen!

Die Sinnkrise in der Altersvorsorge ist längst keine Frage von Einzelfällen mehr, vielmehr ein Massenphänomen. In der Bevölkerung sinken sowohl die Bereitschaft als auch die Mittel für eine zusätzliche private Altersabsicherung. Woran liegt das? Jeder sollte mittlerweile wissen, dass er für das Rentenalter finanziell ergänzende Vorkehrungen treffen muss, weil die gesetzliche Rente bei Weitem nicht ausreichen wird. Uns lässt man keine andere Wahl! Wir werden gezwungen, trotz hoher Beitragszahlungen, zusätzlich für unseren Ruhestand vorzusorgen, damit wir in spe nicht am Hungertuche nagen müssen. Dabei interessiert es keinen dieser politischen Theoretiker, woher wir das Geld dazu nehmen sollen. Viele arbeiten bereits in zwei Jobs, weil selbst ein normales Leben (ohne jeden Luxus) nicht mehr zu finanzieren ist. Was bleibt Otto Normalbürger von einem Hauptjob nach Abzug aller Kosten übrig? Zwangsabgaben, überhöhte Mieten und stetig steigende Lebenshaltungskosten lassen oft nicht mehr genug zum täglichen Leben übrig.

Ein Arbeitsleben lang hat man in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt und trotzdem reicht es nicht. Wie sinnvoll und gerecht ist eine solche Rentenversicherung? Jahrzehntelange Einzahler erhalten kaum, oder nur etwas mehr an Rente, als diejenigen, die noch nie in die Rentenversicherung eingezahlt haben! Nur Beamte haben ihre Schäfchen im Trockenen.

Private Vorsorge? Wer kann es sich bei den hohen Kosten – ob als Angestellter, Arbeiter oder Selbständiger – leisten, zu der gesetzlichen Rentenversicherung monatlich noch Geld für eine private Vorsorge einzuzahlen? Für mindestens die Hälfte der Berufstätigen bleibt es reine Illusion! Hinzu kommt die Unglaubwürdigkeit der angepriesenen Vorsorgevarianten, die mehr verunsichern, Risiken und Unsinn enthalten, – selten Chancen bieten, und vor allem den Versicherungsunternehmen, mit gesetzlicher Unterstützung, haufenweise Geld in die Kassen spült. Seit Riester wurde den Versicherungsunternehmen über Nacht ein riesiger profitabler Markt geschenkt.

Und wer sich mühsam eine Zusatzabsicherung für später abknapst, erfreut

  • zum einen die Versicherungsunternehmen, weil die zuerst einmal für undurchsichtige Kosten und Verwaltungsgebühren eine Menge Geld einbehalten (sie müssen noch nicht einmal angeben wofür, da Geschäftsgeheimnis …), bevor die Beiträge für die Altersvorsorge angerechnet werden,
  • zum anderen Vater Staat, der sich bei Auszahlung dadurch erkenntlich zeigt, indem er erhebliche Steuern einfordert.

Der fast aussichtslose Kampf um eine sichere Rente verunsichert seit Jahren die Bevölkerung. Nahezu täglich werden uns in den Medien Fachbeiträge, Talkrunden, angebliche Bürgerbefragungen (sind Sie schon einmal nach Ihrer Meinung gefragt worden?), dubiose Analysen und zweifelhafte Statistiken dargeboten. Der Gipfel war vor ein paar Wochen der ARD-Presseclub-Talk, in dem die Themen Ungleichheit, Rentenfiasko und Altersarmut kleingeredet wurden. Warum lässt man bei solchen Diskussionsrunden nur Personen aus Politik, Wirtschaft, Hochschulen und Presse einherreden, die ihre Hypothesen darlegen? Das sind Theoretiker, Menschen, die abgesichert sind, und keine Ahnung haben, wie es ist, kaum Geld zum Leben zu haben. Das ist so, als wenn sich Nichtschwimmer über das Tiefseetauchen auslassen würden. Waren diese Herrschaften jemals persönlich an der Front, bei Familien, Rentnern, Arbeitslosen, Geringverdienern, Alleinerziehenden, und haben sich die magere Wirklichkeit angesehen? Wirklich Betroffene werden nicht eingeladen, um mal ihre Seite der Realität vorzutragen. Dabei könnten sie sachdienliche Hinweise geben, die vielleicht mal Gehör finden und Änderungen bewirken würden. Und warum werden aufklärende, kritische Beiträge von den Öffentlich-Rechtlichen Sendern bewusst erst nach 23:00 Uhr, zur nachtschlafenden Zeit, gesendet? Wohl, damit viele interessierte Bürger das nicht mitbekommen sollen.

Sack voll Geld
Bildurheber: ginasanders

Was bekommen wir von unseren Politikern vorgesetzt? Allerlei Palaver, keine glaubhaften Fakten, nichts Konkretes, überwiegend Parteiengerangel, Machtanspruchsgehabe oder das Ausleben von Profilneurosen. Will man uns mündige Bürger verulken? Oder sind die Entscheider mittlerweile auf einem anderen, volksfernen Stern angesiedelt, wo sie die Realität und sinkende Lebensqualität der Bürger nicht mitbekommen (wollen)?

Wenn uns tatsächlich mal (wieder) eine Rentenreform präsentiert wird, stellt man fest, dass uns erneut eine Lösung (ehrlicher wäre Notnagel) untergejubelt wird, die jedoch kaum zum Problem passt. Uns allerdings aufs Neue mehr Geld kostet, aber nicht wirklich etwas bringt.

Wer im Alter finanziell wirklich abgesichert sein will, muss radikal denken. Rente und ein wenig Geld sparen reicht nicht aus. Einzig Beamte und geschasste oder zurückgetretene Politiker und Manager können sich eines feinen Rentnerlebens erfreuen.

Die Konsequenz nur gesetzlicher Rente ist klar: Der lieb gewordene Lebensstandard lässt sich nicht länger aufrechterhalten. Die Wohnungsmiete wird unbezahlbar, das Auto muss verkauft, der Urlaub gestrichen werden. Ein solches Horrorszenario droht nicht allein all jenen, die sich beharrlich weigern, über die gesetzliche Rente hinaus Geld beiseite zu legen. Besonders gefährdet sind die Zeitgenossen, die meinen, das Thema ginge sie nichts an – und werde sie niemals etwas angehen. Oder haben den Irrglauben, dass sich das schon von selbst klären wird. Diesen Unbelehrbaren kann man nur sagen, schlaft weiter, das Aufwachen wird schmerzvoll sein.

reformen
Bildurheber: ginasanders

Wir kennen viele Menschen, die mit über fünfundsechzig Jahren ihre offizielle gesetzliche Rente bekommen, nach fünfundvierzigjähriger Vollzeit-Berufstätigkeit. In diesen Jahrzehnten zahlten sie lückenlos und kräftig in unser Sozialsystem ein. Wenigstens hundert Jahre müssten sie alt werden, um das nur zurückzubekommen, was sie eingezahlt haben. Und was bekommen sie an Rente? Weit weniger, als sie jemals gedacht haben, und nicht bedeutend mehr, als diejenigen, die nie in die Rentenkasse eingezahlt haben. Da drängt sich der Gedanke der Abzocke durch unsere Politiker auf.

Was können wir tun? Wie kommt Frau/Mann mit einer Rente über die Runden? Über den Monat, über das Jahr, ohne unserem Sozialstaat dauerhaft auf der Tasche liegen zu wollen, bzw. um dem Stempel »ärmlich« zu entgehen? Da gibt es zwei Möglichkeiten:

  • 1. Vorsorgen, so dass Sie im Ruhestand finanziell abgesichert sind.
  • 2. Nutzen Sie Ihr Recht zum Wählen, und strafen unsere Politiker für ihre schlechte Rentenpolitik ab … Dabei bleibt aber die Frage offen: »Wer von den Gewählten ist gewillt, es besser zu machen«? Also müssen wir denen zusätzlich ein bisschen Dampf machen, und uns gewaltlos wehren, indem wir zum einen für unsere konstruktive Kritik alle Medien nutzen, und zum anderen, wenn die Rente nicht ausreicht, trotzdem Beihilfe beantragen (auch wenn es schwerfällt). Das ist oft unumgänglich. Es ist kein Makel, sondern eine Notwendigkeit, um nicht dahinvegetieren zu müssen.

Wer sich allerdings als gesunder Mensch mit einem Vollkaskoversicherungsdenken bewusst als Dauerbezieher in unserem Sozialsystems suhlt, und prinzipiell Rundumversorgung einfordert (oder aus politischen Gründen geschenkt bekommt), ohne je die geringste Anstrengung zu unternehmen, für sich selber sorgen zu wollen, ist nichts als ein lausiger Schmarotzer, der keine Unterstützung verdient!

Teil 2 folgt
mit Gastbeitrag von Ralf Piekenbrock, DBD – Renten und Generationenvertrag

Rente Sparglas

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Bernd Borkowski

Es gibt nur eine Lösung. Wir hätten eine völlig andere Rentenpolitik, wenn alle Einkommen einzuzahlen hätten. . . . Das Totschlagargument der Gegner: Wenn alle einzahlen dann haben ja auch alle Ansprüche – ja klar haben alle die einzahlen auch Ansprüche, aber wo ist das Problem? Dann würden sich auch endlich alle an gesamtgesellschaftlichen Aufgaben beteiligen, was jetzt zu einem Großteil nur die gesetzl. Rentenversicherten müssen! Solange unser Zweiklassensystem nicht schnellst möglich in eine gesetzl. Rentenversicherung umgewandelt wird, die alle Einkommen zur Finanzierung heranzieht, ist weiterer Unfrieden programmiert. Demografische und sonstige Entwicklungen gehen offensichtlich an Beamten, anders berufständisch Versicherten, Selbständige… Read more »

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