Vom Industriezeitalter in die digitale Welt. Was machen wir daraus?

15. September 2017 0
301 Hits
0

Auf der einen Seite gibt es in Deutschland eine Allianz gegen den Fortschritt (z. B. die Autoindustrie, Stromkonzerne, ein paar Politiker und Wirtschaftslobbyisten), und auf der anderen Seite sind wir eiligen Schrittes vom Industriezeitalter ins seelenlose digitale Zeitalter gewechselt. Dabei sind nicht nur Tausende von Arbeitsplätze auf der Strecke geblieben, sondern auch allerhand, was das Menschsein ausmacht. Scheinbar nicht zu stoppende Wirtschaftskriminalität, Hackerangriffe, Jobvernichtung, Datenmissbrauch und zunehmende totale Abhängigkeit, sind nur einige Übel der weltweiten Digitalisierung. Wie haben wir vorher nur ohne alldem arbeiten (leben) können?

Die digitale Revolution hat uns natürlich auch Gutes gebracht! Es wäre dumm, die Möglichkeiten, die wir heute haben, nicht zu nutzen und sie einfach zu ignorieren. Digitalisierung, Internet, multimediale Quellen und allgemeine Computerisierung, sowie die Erfindung des Mikrochips und dessen fortlaufende Leistungssteigerung, haben einen Wandel sowohl der Technik als auch fast aller Lebensbereiche bewirkt. Menschliche Fähigkeiten werden weniger nachgefragt.
Dabei ist die digitale Revolution noch lange nicht abgeschlossen. Ein großes Potential wird zum Beispiel bei der Entwicklung der Roboter gesehen – Kombination aus technischer Kraft und technischer Denkleistung. Industrieroboter verdrängen bereits seit vielen Jahren Tausende Menschen aus der industriellen Produktion. Wird es bald menschenleere Fabriken geben? Die Mächtigkeit der Erfindungen / Technologien nimmt immer mehr zu, ohne dass wir Einblick haben, was zum Beispiel in Robotern wirklich alles eingebaut wird. Noch sind Maschinen und Roboter abhängig vom Menschen, der sie anleiten und trainieren muss, und bei Unsicherheit die Kontrolle übernimmt. Ein Entwicklungsende ist nicht abzusehen. Gleichzeitig entstehen komplett neue Industriezweige, aber nicht so viele, dass alle verlorengegangenen Arbeitsplätze aufgefangen werden können.

Moderne Geräte, Technik
Bildurheber: Ahmet Emre YILMAZ

Jede Entwicklung hat ihre Vor- und Nachteile. Auf der einen Seite wird uns in gewissen Bereichen das Leben enorm vereinfacht, und wir genießen den wachsenden Komfort. Auf der anderen Seite passiert das Ganze ohne Rücksicht auf Verluste, Auswirkungen und Langlebigkeit. Menschen, Tiere, Umwelt und unser Planet haben den damit verbundenen Raubbau auszubaden. Als wenn sich unsere Erde jährlich von selbst erneuern würde.

Was hinterlassen wir in unserer wachsenden Bequemlichkeit den nachfolgenden Generationen, unseren Kindern und Enkeln? Einen riesigen Schuldenberg, zunehmende Armut, geplünderte Wälder, verschwendete natürliche Ressourcen, Müll- und Gifthalden, tote Meere, verbrannte Erde und Sprachlosigkeit?

Digitale Medien nehmen uns geistige Arbeit ab. Was wir früher einfach mit dem Kopf gemacht haben, wird heute von Computern, Smartphones, SmartHomes, Navis etc. erledigt. Sie bringen aber nicht allein Vereinfachungen mit sich, sondern Nebenwirkungen wie Suchtgefahr und Gesundheitsgefährdung. Sie schaden langfristig dem Körper und vor allem dem Geist. Wenn wir unsere Hirnarbeit auslagern, lässt das Gedächtnis nach. Nervenzellen sterben ab, und nachwachsende Zellen überleben nicht, weil sie nicht gebraucht werden (Gefahr der digitalen Demenz). Ein paar Stunden am Tag bringen keine Probleme, und müssen ohnehin rein berufsbedingt sein. Doch permanente Erreichbarkeit und Dauerbeschäftigung mit Bildschirmmedien, vermindern nicht nur drastisch die Lernfähigkeit. Sie können Lese- und Aufmerksamkeitsstörungen, Ängste und Abstumpfung, Schlafstörungen und Depressionen, Übergewicht, Isolation, Gewaltbereitschaft, bis hin zum sozialen Abstieg verursachen.

Was bringt uns also dieses digitale Zeitalter an Fortschritt, Mehrwert und Lebensqualität? Erleichterung in unser Leben, oder langsame Verblödung? (Die geistige Windstille, Pest unserer Zeit, greift unaufhaltsam um sich.) Arbeitsentlastung und neue Arbeitsplätze, oder zunehmende Arbeitslosigkeit? Wachsende Kommunikationsbereitschaft, oder wird das miteinander Reden bald verstummen? Beherrscht die künstliche Intelligenz lediglich nutzbringende Technik/Maschinen, oder schon unzählige Menschen? Das (Arbeits-) Leben in der digitalen Welt gerät mehr und mehr zur Abhängigkeit. Wir genießen eine Menge Vorteile, müssen uns aber ebenso mit den Nachteilen, der Kriminalität, Verflachung, Vergesslichkeit und Vereinsamung auseinandersetzen.

Digitale Welt
Bildurheber: Ella Grynko

Wir alle kennen die zunehmende Vernetzung, die ebenfalls im privaten Bereich ihre Krakenarme weit ausgestreckt hat. Laptop, Handy, iPhon etc., und mit Apps zur Navigation finden wir uns in fremden Umgebungen zurecht. Apps werden benutzt, um vom Büro oder unterwegs aus, unsere Haustechnik (Heizung, Lampen, Jalousien, Herd, Kühlschrank, Waschmaschine etc.) anzusteuern und vieles mehr. Dabei ist kaum jemandem bewusst, wie sehr wir uns dieser Technik ausliefern und Sicherheitslücken nicht wahrnehmen. Im weltweiten Netz sind Tür und Tor für Hackerangriffe und Betrügereien geöffnet.

Nichtdestotrotz muss heute jeder auch einen PC oder Laptop Zuhause haben. Nicht bloß, weil es vieles vereinfacht, sondern weil wir die alltäglichen Serviceleistungen anderer (Bank, Post, Finanzamt, Ämter, Strom, einkaufen etc.) zunehmend aufgeladen bekommen, und gezwungen werden, diese in unserem Home-Office zu erledigen. Diese Dienstleistungserledigung per online wird immer mehr auf uns gelenkt (wir kosten schließlich nichts), egal wie alt Sie sind, ob Sie arbeiten gehen oder nicht. Wer keinen Computer hat, und noch viele Jahre leben will, muss sich mit dieser Thematik auseinandersetzen, ob er will oder nicht.

Die Weiterentwicklung in allen Bereichen ist nicht aufzuhalten. Bereits heute ist es schwer, in der digitalen Welt die Wahrheit von der Unwahrheit, bzw. die Realität von der Fiktion zu unterscheiden. Horrorvorstellung: Liegen wir irgendwann hauptsächlich zuhause mit digitaler Brille auf der Nase faul herum, kommandieren Roboter oder Avatare, die für uns die Arbeit erledigen? Na ja, bislang haben wir zumindest im privaten Bereich die Möglichkeit zu bestimmen, wie wir mit der digitalen Technologie umgehen. Ob man seinen Nutzen daraus zieht, oder sich in die Abhängigkeit begibt, ist die eigene Entscheidung. Einzelne können (wollen) scheinbar nichts ändern, und doch kann jedermann auf seine Art und Weise etwas für sich tun, um das Leben – nicht nur im Alter – auch außerhalb der digitalen Welt lebenswert zu machen. Im Alltag Erleichterungen schaffen ist OK, digitaler Junkie/Sklave zu werden ist nicht lebensdienlich. Sein Leben der Technik unterzuordnen, durch Dauererreichbarkeit und der fortwährenden Beschäftigung mit dem Smartphone, iPad, Tablet und Co., hat mit Lebensqualität nichts mehr zu tun.

Schön wäre es: Real geht vor virtuell. Wie fühlen Sie sich, wenn Ihr Gesprächspartner mehr mit den eingehenden Kurznachrichten als mit Ihnen beschäftigt ist? Die indirekte Botschaft lautet: »Ich flüchte lieber in die virtuelle Kommunikation, als mit Dir eine reale Unterhaltung zu führen.« Das ist nicht besonders wertschätzend und zeugt von sehr schlechten Manieren.

»Es gibt Wichtigeres im Leben,
als beständig die Geschwindigkeit zu erhöhen.«
Mahatma Gandhi

Bildurheber

  • netzwerk-digitale-welt: Ella Grynko

Hinterlasse einen Kommentar

  Anmelden  
Benachrichtigen Sie mich zu: