Kontinuierlicher Arbeitsmarktzerfall aufgrund grenzenloser Profitgier.

1. September 2017 0
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Teil 1 von 2

Seit Wochen geht es durch die Medien: Die Wirtschaft boomt wie nie, Vater Staat erhält eine Steuerflut, und noch nie gab es so wenig Arbeitslose wie heute …
Das mag auf der einen Seite vielleicht stimmen …? Wir glauben es jedoch nicht.
Es ist nicht das erste Mal, dass vor Wahlen eine Schönmalerei durch die Medien erfolgt. Denn mindestens zwei Millionen Arbeitslose/Arbeitssuchende erscheinen nicht in der geschönten Statistik!

Noch nie hatten so viele Menschen in Deutschland einen Job … Natürlich hat sich die Arbeitslosenzahl verringert. ABER: Nicht in dem Maße wie es öffentlich bekannt gemacht wird. Weil tatsächlich mehr Menschen de facto arbeitslos sind, als die veröffentlichte Statistik offiziell als „arbeitslos“ ausweist.
Zum Beispiel gelten allein fast eine Million Menschen in Deutschland offiziell nicht als arbeitslos, obwohl sie die Kriterien dafür erfüllen. Sie werden lediglich als unterbeschäftigt betrachtet. Dazu zählen Menschen, die

  • an einer Maßnahme der „aktiven“ Arbeitsmarktpolitik teilnehmen
    Aktivierung und Eingliederung, z. B. Bewerbungstrainings, Sprach- und Integrationskurse
  • oder vorübergehend krank sind (also absehbar wieder arbeitsfähig sind)
  • oder 1-Euro-Jobs haben
  • oder über 58 Jahre alt sind und Hartz IV beziehen.

Rechnet man die Dunkelziffer noch dazu, gibt es gegenwärtig fast 4 Millionen Arbeitslose in Deutschland. Und nicht 2,76 Millionen, die offiziell als arbeitslos bezeichnet werden. Die echte Zahl der Menschen, die keinen Job haben, wird verschwiegen.

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Bildurheber: iqoncept

Die Wirtschaft boomt … wurde angekurbelt … Jedoch hauptsächlich durch die enormen Einschnitte, die Arbeitnehmern aufgebürdet wurden und weiterhin werden. Denn die andere Seite, die Realität, sieht anders aus! Die Menschen, die unter diesem »Boom« Arbeit bekommen haben, ob als Angestellte oder Subunternehmer, müssen sich mit den Auswüchsen der Ausbeutung, Jobaufsplittung, Niedriglohnbereiche, den unsicheren Beschäftigungsverhältnissen und dem Missbrauch von Leih- und Werksverträgen herumplagen. Die Arbeitswelt ist nach wie vor ungerecht.

Grenzenlose Belastbarkeit, mangelndes Fachwissen, unbezahlte Überstunden, Zeitverträge und Niedriglöhne, sind in vielen deutschen Groß- und Sub-Unternehmen Einstellungsvoraussetzungen geworden, um Mitarbeiterkosten bis zum geht-nicht-mehr drücken zu können. Was übrigens für alle Arbeitssuchenden (jeden Alters) gilt. Und Solo-Selbständige können mit den Dumpingpreisen der Zeitarbeitsfirmen nicht mithalten. Die wachsende Sklavenarbeit dient zur Profitmaximierung der Unternehmen.

Die Reallöhne sinken beständig, besonders im unteren Einkommensbereich. Gleichzeitig verschwinden Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen. Viel zu viele Menschen müssen ihr Arbeitsleben im Niedriglohnbereich fristen, oder als Zeitarbeiter oder Minijobber ihr Überleben sichern – mit zunehmender Tendenz! Wie soll man da noch für das Alter vorsorgen können, wenn der Verdienst kaum für die monatlichen Lebenshaltungskosten reicht?

Und die Politik sieht den Zerfallserscheinungen der deutschen Arbeitswelt tatenlos zu. Der Wert der Arbeit wird mit Füßen getreten. Arbeitnehmer sind keine Sklaven! Und die Gewerkschaften (sind die nicht langsam überflüssig?) tun ihr Übriges dazu! Sie stimmen u. a. Tariföffnungsklauseln unterhalb der gesetzlichen Bestimmungen und Verlängerung der Leiharbeitszeit zu, und erwecken den Eindruck, nur noch Zuarbeiter für die Arbeitgeber zu sein!

  • Vollbeschäftigung? Geschichte!
  • Für gute Arbeit ein fairer Lohn? Vergangenheit!
  • Anerkennung und Wertschätzung der Arbeit? Das war einmal!
  • Qualitätsbewusstsein und professionelle Führung? Vorbei!
  • Zeitarbeit, befristete Verträge, Jobaufsplittung, Niedriglöhne, unbezahlte Überstunden und Entlassungen? Realität!
  • Geringverdiener, Einsatz ungelernter Kräfte und Subunternehmen, miese Bezahlung und Ausbeutung? Wirklichkeit!

Die Politiker sehen außerdem zu, wie Firmen die Minijob-Gesetze ausnutzen, um reguläre Stellen in schlechter bezahlte Kleinstjobs aufzuspalten. Parteien wie Arbeitgeber tragen nach wie vor erheblich dazu bei, dass der Wert der Arbeit mit unterschiedlichem Maß gemessen wird. Der Wert der Arbeit muss dringend zurechtgerückt werden!!!

Die Öffentlichkeit muss sensibilisiert (und nicht angelogen) werden, und Politiker wie auch Unternehmen müssen endlich Fakten schaffen. Wir fordern einen optimaleren »Arbeitsmarkt«, nicht nur für Ältere, sondern für alle Arbeitswilligen.

Dass wir Wahlprogrammen und vollmundigen Versprechungen nach Vollbeschäftigung nicht glauben können, zeigt uns die Vergangenheit. Was nutzen politische Wahlversprechen, wenn die Unternehmen nicht mitziehen wollen? Nach der Wahl sind die Baustellen im eigenen Land sowieso schnell vergessen. Zuerst einmal werden die Pöstchen verteilt und Machtansprüche durchgesetzt, um sich dann wieder Europa und der Weltpolitik zu widmen. Dabei ist nicht zu verstehen, dass erfahrene Minister, die sich endlich eingearbeitet haben, nicht auf ihrem Platz verbleiben, sondern im Personalverteilungskarussell landen. Beispiel: Ursula von der Leyen, die zuerst Bundesministerin für Familie, dann für Arbeit und nun für Verteidigung ist. Wer glaubt da noch an professionelle Politik? Wobei wir die Dame auf keinen Fall diskreditieren wollen. Sie wird ihr Bestes geben. Es ist halt nur nicht nachvollziehbar, warum immer wieder Neulinge hohe Posten innehaben.

Auf der einen Seite finden Rentner, die gerne (weiter) arbeiten würden, keine angemessene Arbeit, und auf der anderen Seite gibt es in Hülle und Fülle gut ausgebildete Menschen Mitte Fünfzig, die trotz intensiver Suche arbeitslos sind, mit Kindern in Ausbildung, oder einer Hypothek, die abbezahlt werden muss, oder sonstige Verpflichtungen haben.

Nicht nur ältere Arbeitssuchende kämpfen im Arbeitsmarkt mit Voreingenommenheit, Ignoranz und Gleichgültigkeit. Warum werden erfahrene Fachleute im eigenen Land aufgrund ihres Alters ignoriert, oder in Aushilfsjobs abgeschoben? Wer soll das begreifen, dass lauthals über fehlende Fachkräfte gejammert wird, und händeringend nach solchen gesucht werden? Wenn hier im Lande Profis in den Startlöchern stehen!

»Wir bilden hochqualifizierte Leute für das Ausland aus,
denn sie werden bei uns kaum Arbeit finden.
Hier hat der Laienterror mehr Gewicht
als das Urteil qualifizierter Fachleute.
«

 

Teil 2 folgt – Arbeitswille darf nicht am/im Alter scheitern.

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