Arbeitswille darf nicht am/im Alter scheitern! Reformen sind überfällig!

2. September 2017 0
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Teil 2 von 2             (Teil 1)

Gesetzliche Rente mit 67 … 69? Gar mit 70 oder 71? Für viele klingt das zynisch. Schließlich arbeitet schon heute kaum jemand in seinem Beruf bis zur Altersgrenze (die derzeit bei 65 Jahren und 5 Monaten liegt). Entweder der Beruf ist körperlich zu belastend, oder die Unternehmen entledigen sich ihrer älteren Belegschaft, oder ältere Arbeitswillige erhalten nur selten einen Arbeitsplatz der ihren Fähigkeiten entspricht. Die Altersgrenze noch weiter nach hinten zu verschieben, ist nichts anderes als eine versteckte Rentenkürzung, wenn man nicht bereit ist, den Arbeitsmarkt so zu reformieren, dass auch ältere Arbeitswillige adäquate Arbeit bekommen. Reform und Gesetze müssen von der Regierung kommen, der Wille zur Umsetzung von den Unternehmen. Diese halten aber nach wie vor ihre Verweigerungstaktik aufrecht. Ohne Moraldebatten in Politik und Wirtschaft, ohne Friedensverinnerlichung und einen flächendeckenden Mentalitätswandel, wird es keine weiträumigen Veränderungen geben.
Offiziell“ ist etwa jeder sechste Arbeitssuchende über 55 Jahre alt …

Rentner und Medien
Bildurheber: Katarzyna Białasiewicz

Hunderttausende Menschen werden spätestens im Alter zwischen Sechzig … Fünfundsechzig (oft schon sehr viel früher) in Zwangsrente geschickt. Bestimmt haben sich viele davon krank geschuftet. Allerdings sind wir davon überzeugt, dass eine große Anzahl mit Vergnügen weiterhin arbeiten würde, wenn man sie denn ließe. Auch Freiberufler/Solo-Selbständige fallen der Altersdiskriminierung anheim. Viele fühlen sich noch fit, gesund und geistig auf der Höhe. Aber wie auf Kommando wird man aus dem aktiven Arbeitsleben herausgeschmissen.

Wir stehen am Anfang unseres Lebensherbstes – na und? Sollen wir uns deshalb auf Oma/Opa sein beschränken? Oder uns etwa auf Pfandflaschen sammeln, Putzen oder Zeitungen austragen, reduzieren lassen, um uns ein Zubrot zur niedrigen Rente zu verdienen? NEIN!

ABER: Es gibt in Deutschland faktisch keinen Arbeitsmarkt für Ältere mehr! Nur in den Köpfen unserer Politiker ist diese Irrealität verankert. Bereits ab Fünfzig haben qualifizierte Kräfte kaum eine Chance auf einen passenden Job. Weil Älter sein mit Schwäche und teuer in Verbindung gesetzt wird. Anstatt mit Know-how, Einsatzbereitschaft, Zuverlässigkeit und Qualität. Das muss erst einmal jemand mitbringen. Lebenserfahrung lernt man nun mal nicht auf der Uni. Mit einem umfangreichen Wissen und einem beachtlichen Schatz an Erfahrungen, beherrschen wir Techniken und verfügen über Fähigkeiten, die die jüngere Generation nicht mehr erlernt hat. Jedoch interessiert das die rein auf Profit fixierten Unternehmen nicht mehr. Die Zeiten, wo sich Arbeitgeber (Altväter) für ihre Mitarbeiter verantwortlich fühlten, sich um sie kümmerten, und auf Qualität setzten, sind schon lange vorbei. Wir Älteren sind quasi eine aussterbende Dinosaurierklasse.

Trotzdem wir der Wirtschaft Milliarden an Umsätzen bescheren, also ein bedeutender Wirtschaftsfaktor sind, werden wir nach wie vor unterschätzt. Wir können auch sagen, der Nichtbeachtung zugeführt. Wieso sollen wir Älteren uns auf dem Arbeitsmarkt der Bedeutungslosigkeit beugen, oder der Unterstellung, ein unwirtschaftlicher Posten zu sein? Die Frage nach dem Alter, ist nach der Volljährigkeit ja wohl die unwichtigste Frage der Welt – oder? Wir lassen uns unser Alter nicht auf die Stirn tätowieren! Und wir nehmen es nicht hin, systematisiert oder in eine Schublade gesteckt zu werden! Uns verstecken? Nicht auffallen? Stillschweigend jeden Unsinn hinnehmen? Wer glaubt, dass wir das akzeptieren, ist ein Kleingeist.

Brauchen wir etwa eine (Generationen-) Quote? Mein Gott, stirbt denn der gesunde Menschenverstand wirklich aus? Der demografische Wandel ist ohne erfahrene Fachkräfte nicht zu schaffen. Das sollten auch die dümmsten Profitgeier langsam begreifen. Den Erfahrungsschatz und sinnvolle Hinweise für Arbeits- und Lebensqualität, sollten von der älteren Generation (wieder) an die Jüngeren weitergegeben werden. Von einer generationenübergreifenden Zusammenarbeit und einem Austausch profitieren alle Seiten. Neue Technologien treffen auf bewährtes, wertvolles Wissen. Ungewürdigt geht eine Fülle geistigen Kapitals verloren. Das ist, als ob starke, geschichtsträchtige Monumente planiert werden, um darauf dünnwandige banale Glaspaläste zu bauen, die beim kleinsten Sturm ins Wanken geraten. Oder anders ausgedrückt: Warum muss das Rad stets neu erfunden werden, wenn viele Dinge längst erfolgreich rundlaufen könnten? Politikern, Vorständen, Professoren und anderen Privilegierten wird gestattet, bis ins hohe Methusalem-Alter zu arbeiten …

Wir schaffen das - älteres Pärchen
Bildurheber: Валерий Качаев

Eine Arbeitsgruppe von zwölf Frauen und Männern, zwischen fünfzig und fünfundsechzig Jahren, haben monatelang recherchiert, gesucht und getestet, wo ein Arbeitsmarkt für Ältere in Deutschland zu finden ist. Mit Anfragen für ehrenamtliche Tätigkeiten wurden sie dabei fast überschüttet, da könnte man sechzig Stunden die Woche beschäftigt sein. Wer jedoch einen Vollzeitjob braucht, oder sich noch ein Zubrot verdienen muss/möchte, hat ganz schlechte Karten, einen adäquaten (zumindest Teilzeit-) Job ohne Ausbeutung zu finden.

Am Telefon führte die Arbeitsgruppe sehr angenehme Gespräche. Sobald allerdings eine Dame oder ein Herr persönlich vor Ort waren, und ihre Unterlagen vorlegten, wurde ihnen, nicht immer durch die Blume, gesagt: »Wir haben uns etwas Jüngeres vorgestellt.« Lachhaft, wenn das ebenfalls in einem Call-Center gesagt wird, wo man von keinem An(zu)rufenden gesehen wird. Es müsste abgeschafft werden, auf Zeugnissen, Urkunden, Bescheinigungen etc. plakativ das Geburtsdatum anzugeben. Diese ewige Altersangabe gibt es in keinem anderen Land. Ein uralter Zopf, ein absoluter Nonsens (unter anderem Einstellungsbremse), der endgültig beseitigt gehört.

Angesichts der demografischen Entwicklung, müssen die Politiker endlich aus ihrem Dämmerzustand aufwachen. Wenn das Rentenalter weiter nach hinten verschoben wird, brauchen wir mehr Optionen für alle, für die gilt: »Hoch qualifiziert und 50plus

Wegen des allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes bekommen wir natürlich kein offenes Feedback, dass es am Alter liegt. Entsprechend können die oft vorherrschenden Vorurteile im Gespräch gar nicht erst entkräftet werden. Hinter vorgehaltener Hand wird uns gesagt: »Ihre Kenntnisse sind bestimmt nicht auf dem neuesten Stand«, oder »Sie sind garantiert zu teuer«. Gefragt werden die 50+ Arbeitswilligen nicht. Eine Einarbeitungszeit, wie sie normalerweise jedem Mitarbeiter zugestanden wird, wird bei Älteren häufig als großes bzw. kostenintensives Risiko eingestuft. Diverse Personaler fürchten zudem offenbar, dass wir unbequem sein könnten, und unsere Vorgesetzten öfter kritisieren würden als Jüngere. Das sind so die unbegründeten Einstellungshemmnisse. Damit werden Jüngere als unkritische Befehlsempfänger hingestellt, und Ältere als unwillkommene, besserwissende Querulanten abgestempelt.

reformen
Bildurheber: ginasanders

Gebt das Rentenalter frei! Jeder kann ab Sechzig in Rente gehen, wenn er es möchte. Andere können solange arbeiten wie sie wollen. Ob es Selbständige, Beamte, Angestellte oder Arbeiter sind, egal welche Berufsgruppe, – die Entscheidung liegt bei einem selber, und nicht mehr bei Vater Staat, oder Vermögen maximierenden Unternehmen. Wer es in den Chefetagen immer noch nicht begriffen hat: Notorische Bedenkenträger, Profitjunkies und Nachhaltigkeitsverweigerer handeln ruinös, und gehören nicht in Führungspositionen. Leider ist Deutschland mit solchen fehlgeleiteten Managern und rücksichtslosen Ausbeutern bereits unterlaufen.

Was passiert, wenn nicht gehandelt wird? Rentner müssten weiterhin mit dem auskommen was sie (nicht) haben. Ältere Arbeitssuchende werden zu Langzeitarbeitslosen, da sie kaum eine Chance erhalten, eine Tätigkeit aufzunehmen, die zu ihren Fähigkeiten passt. Eine Selbständigkeit aufzubauen schaffen nur die Allerwenigsten. Nur die, die sich mit reichlich Mut und Engagement durch die Banken- und Bürokraten(willkür)mühlen kämpfen können.

Nach dem Auslaufen des Arbeitslosengeldes heißt das für die meisten Arbeitssuchenden, – auch wenn ein großer Teil davon nach vielen Arbeitsjahren schuldlos ihren Job verloren haben: Sie müssen, bis auf kleine Freibeträge, zunächst ihr Erspartes, ihre Lebensversicherung, ihre Altersabsicherung, ihr Bausparguthaben, Aktienanteile, Immobilien etc. veräußern, bzw. aufbrauchen, um den eigenen Lebensunterhalt zu finanzieren. Erst danach kann die staatliche Hilfe Hartz-IV »Armut per Gesetz« beantragt werden. Wer sein eigenes Haus oder eine Eigentumswohnung bewohnt, muss verkaufen, wenn die Wohnfläche eine festgesetzte Quadratmeterzahl pro Person überschreitet. Zum Beispiel werden zwei Personen 90 qm zugestanden.

Das heißt im Klartext: Der in etlichen Jahren erarbeitete Lebensstandard, und das vorbeugende Sparen für das Alter, werden abgestraft, fallen der maroden Arbeitspolitik, und unserem sonderbaren Sozialsystem zu Opfer. Ein System, das auf der einen Seite Arbeitende ausbeutet und Opfer übergeht, und auf der anderen Seite Faulheit, Rücksichtslosigkeit und Ignoranz fördert.

Den Solo-Selbständigen, Kleinunternehmern und Handwerkern geht es nicht anders. Wenn sie eine finanzielle Durststrecke überbrücken möchten (oft weil Kunden nicht bezahlen, denn in Deutschland hat man alle Zeit der Welt, seine Schulden NICHT zu bezahlen!), oder aufgrund von Krankheit ausfallen, oder Kunden-, Auftrags- oder Einnahmenverlust haben, sorgt vorrangig der gierige Fiskus für einen verlustreichen Ausverkauf der angesparten Vorsorge, um die Zwangsabgaben einzutreiben. Da sind die Türen von Banken und Sozialämtern zubetoniert. Ebenso bleiben die Bankentüren für Jungunternehmer/innen, die Mehrwert für die Gesellschaft schaffen wollen, verschlossen. Bei diesen Startups kommen die preiswerten Kredite nicht an. Verweigerungstaktik der Banken. Allein Großinvestoren erhalten billiges Geld von der Bank, damit die Entfesselung der Geldwirtschaft exzessiv weiter betrieben werden kann.

Was unser Sozialsystem anbetrifft, möchten wir jedoch betonen, dass es in mehreren Bereichen gute Hilfe leistet. Mit Sicherheit könnte den tatsächlich Betroffenen, die in der Minderheit sind, umfangreicher und wirksamer geholfen werden, wenn da nicht die Sozialtouristen auf Dauerurlaub wären! Zu vielen Nutznießern, die nie im Leben gearbeitet haben, und dies auch nicht vorhaben, wird erlaubt, sich auf Kosten der Allgemeinheit in der sozialen Hängematte ihr Leben lang auszuruhen.

Soll die Gesellschaft nicht langfristig Schaden nehmen, muss jetzt gehandelt werden. Der deutsche Arbeitsmarkt muss reformiert werden, zugunsten deutscher Fachkräfte (egal welchen Alters), fairer Bezahlung (Altersarmut vorbeugen), und menschenwürdiger Arbeitsbedingungen. Rente mit Siebenundsechzig oder später kann nur dann funktionieren, wenn leistungsfähige und arbeitswillige Fachkräfte ab Fünfzig nicht systematisch vom Arbeitsmarkt ausgegrenzt bleiben.

Wie soll sonst der jungen Generation klargemacht werden,
dass sich Einsatz und Leistung lohnen?

Fröhliche ältere Menschen die den Daumen nach oben strecken
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  • rentner-und-medien: Katarzyna Białasiewicz

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