Weihnachten ist das innigste Fest überall auf dieser Erde. Keine Zeit vermag uns so zu berühren wie Weihnachten.

21. Dezember 2017 0
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Eine kleine Weihnachtsgeschichte
aus dem Buch „Betty und Paul“, das im Frühjahr 2018 im Franzius-Verlag erschienen ist. Die Autorin hat uns einen Auszug daraus überlassen.

Diese kurze Erzählung regt zum Nachdenken an. Es gibt eine Menge Menschen, die auf der Straße leben müssen. Leider haben nur wenige davon das Glück, in einem Obdachlosenheim Weihnachten feiern zu können.

Weihnachten war Haus Sonnenschein komplett ausgebucht. Es mussten sogar zusätzlich Notbetten aufgestellt werden. Die Landschaft lag unter tiefem, glitzerndem Schnee. Verstreut standen kleine und große lustige Schneemänner in den unterschiedlichsten Ausführungen herum. Es war eine eiskalte sternenklare Nacht.
Alle Bewohner, Gäste und Freunde feierten den Heiligen Abend im festlich geschmückten Ess-Saal. In der Mitte stand strahlend schön ein bunt geschmückter, riesiger Tannenbaum, mit echten Kerzen, die ein anheimelndes Licht verbreiteten. In den vereisten Fenstern leuchteten Laternen in Sternenform, die für eine weitere behagliche Atmosphäre sorgten. Auf den Tischen mit weißen Tischdecken lagen duftende Tannenzweige, verziert mit liebevollen Basteleien, Nüssen, Mandarinen und Äpfeln. Winzige Windlichter ergänzten die weihnachtliche Dekoration.
An den glänzenden Augen der Anwesenden sah man, dass sie sich wohlfühlten, und sie ließen sich das üppige Weihnachtsmahl besonders gut schmecken. Dank großzügiger Spenden gab es keine rationierte Portion. Heute Abend konnte jeder so viel von dem köstlichen Gänsebraten mit Rotkohl, Klößen und Apfelmus essen, wie er mochte. Berta hatte sich selber übertroffen. Stolz und mit rotem Kopf stand sie hinter der Essensausgabe und sorgte für gut gefüllte Teller. Jeder konnte sich auch gerne noch einen Nachschlag holen.
Aus dem Radio erklang feierliche Musik. Einige sangen die Weihnachtslieder leise mit, andere hatten Tränen in den Augen. Denn so mancher hier hätte wohl sicherlich diese besonderen Stunden lieber im Kreise seiner Familie oder Verwandten verbracht.

Ein Gast stand auf, der sich von der harmonischen Stimmung tragen ließ, kramte einen Zettel aus seiner verbeulten Hosentasche, klopfte laut gegen sein Wasserglas, bis Ruhe war, räusperte sich und las vor:
Friedfertige Weihnacht. Eine Zeit, die ihren eigenen Zauber entfaltet und uns gefangen nimmt und berührt. Die uns zur inneren Einkehr einlädt, in der wir uns Gedanken machen über das Vergangene, und über Dinge, die wir loslassen können, damit wir frei werden und Neues entstehen kann. Weihnachten ist fest verbunden mit wunderbaren Bräuchen und Traditionen, die uns sehr oft schon seit unserer Kindheit begleiten. Jeder hat so seinen eigenen Weihnachtsduft im Sinn … ob Tannen, Zimt, Bratäpfel oder gebackene Plätzchen. Ja, die Weihnachtszeit vermag Großes. Meist sind es die kleinen Dinge, die ihren Zauber ausmachen und unser Herz und unsere Seele erwärmen.
Weihnachten heißt mit Hoffnung leben. Wenn sich die Menschen die Hände zur Versöhnung reichen, wenn der Fremde aufgenommen wird, wenn einer dem anderen hilft … dann ist Weihnachten.
Still in bunte Lichter sehen, nicht hasten, Zeit für sich haben, unbekümmert sein, sich als Mensch spüren und glücklich sein … dann ist Weihnachten.
Schnee und verwunschene Märchenlandschaften, Kaminfeuer und Kerzenlicht, mit der Familie oder im Freundeskreis zusammen sein, Wärme spüren, sentimentale Stimmung, verführerische Düfte,
Zeit für Entspannung … dann ist Weihnachten.
Ein wunderbares Fest zu verbringen, mit gestrandeten Menschen zusammen ein leckeres Mahl im Haus Sonnenschein zu genießen, gemeinsam zu feiern und ein Gefühl von Zuhause zu haben … dann ist Weihnachten.
Schnell setzte er sich auf seinen Stuhl zurück und lief rot an, denn zustimmender Applaus kam auf.

Als die Päckchen verteilt wurden, natürlich zusätzlich mit Bertas wohlschmeckendem Weihnachtsgebäck, war die besinnliche Stimmung auf dem Höhepunkt. Im Radio spielten sie gerade das Lied Stille Nacht, heilige Nacht, als plötzlich alle aufstanden, sich an den Händen fassten und kräftig mitsangen. Das hatte man hier noch nicht erlebt. Der Chor war wahrscheinlich bis zur Stadt hin zu hören. Und es klang gut, wirklich gut. Gleichzeitig stimmten wie von weit her die Glocken der Klosterkirche mit ein. Es war ein unvergessliches Weihnachtsfest.

***

Weihnachten aus Kindertagen

Erzählt der geschmückte Christbaum noch von unserer eigenen Erwartung und Freude, die wir damals zu Weihnachten empfunden haben?

Schön ist geschmückt der festliche Raum, die Lichter funkeln am Weihnachtsbaum.
Wir essen und trinken, Gedanken sind da, ist es so schön wie es früher mal war?
Ist Weihnachten noch wie in Kindertagen, das Herz weit geöffnet und tausend Fragen?
Ein warmes Gefühl, ein schöner Gesang, ein tiefer Glaube der übersprang?

Heut sitzt man in stiller Andacht vereint, da und dort eine Träne erscheint,
die Kirche so voll, wie nie zuvor, wie herrlich singt doch der Kinderchor.
Sie alle spielen das Spiel schon perfekt, das jedes Jahr mich aufs Neue erschreckt.
Oh Traum aus fernen Kindertagen, warum muss ich Lebwohl dir sagen?

Bis zur letzten Minute ist die Hetze groß, Gezänk, Geschrei, beeilt euch bloß.
Punkt sechs wird dann mit letzter Kraft, Gefühl entdeckt – es ist Heilige Nacht.
Glück hat man, gibt es keinen Streit, und jeder schwört einen heiligen Eid,
na klar haben wir auch an Arme gedacht, ist Weihnacht, es wird auf Frieden gemacht.

Das Fest des Friedens wurde zur Völlerei, und nach dem Fest das große Geschrei.
Vom Abfall könnten noch so viele leben, die Pfunde sind drauf, so ist das eben.
Mein Gott, wo ist die Zeit nur geblieben, als Weihnachten noch Weihnachten war,
heut wird’s dem Kind schon ausgetrieben, Weihnachten stirbt von Jahr zu Jahr.

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