Glotzen statt helfen. Voyeurismus erobert unsere Gesellschaft.

24. August 2017 0
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Die Verrohung der Menschen wird durch das Fernsehen und die digitalen Medien intensiviert. Abgestumpft durch das Zeigen brutalster Filme und Ekelbeiträgen, wird die Lust am Betrachten und Ausüben verstärkt. Gleichgültigkeit löst Menschlichkeit ab. Voyeurismus erobert unsere Gesellschaft. Die geistige Windstille breitet sich weiter aus.

Statt den Alltagshelden/innen mit Respekt, Anerkennung und Dankbarkeit zu begegnen, werden Helfer immer häufiger bei ihren Einsätzen von hirnlosen Primitivlingen behindert, beleidigt, angegriffen und verletzt. Es ist eine Schande ohnegleichen, dass solche Individuen ungestraft bei uns frei herumlaufen dürfen. Das Gleiche gilt für dumm herumstehende Gaffer, die Einsatzkräfte behindern Verunglückten rechtzeitig zu helfen. Und wer dabei noch per Handy Fotos/Videos macht, und diese dann in soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter etc. einstellt, diesen Schwachmaten ist zu wünschen, dass es ihnen einmal ebenso ergehen wird. Dass sie irgendwo verunglückt, hilflos liegen, abfotografiert werden, und die Helfer durch die Mauer der tatenlosen Schaulustigen nicht vorrücken können. Wie man z. B. eine Rettungsgasse bildet, müsste doch langsam auch die letzte Schlafmütze begriffen haben. Warum Justiz und Politik bisher hier nicht rigoros vorgehen, und diese Zeitgenossen mit geistigem Flurschaden eine Zeitlang einsperren, oder für ein Jahr den Führerschein entziehen, bleibt ein Rätsel. Wenn Respekt- und Rücksichtslosigkeit herrscht, muss ein Gegenwind kommen. Da man sich scheinbar nicht traut, sollte zumindest das riesige Potential hoher Bußgelder ausgeschöpft werden. Aus diesem Topf könnte dann den Opfern geholfen werden, die nach ihrem Unglück oft über Monate für Beihilfen oder Entschädigungen kämpfen müssen. Denn leider ist es in Deutschland so, dass Täter therapiert und die ganze Milde unserer Justiz erhalten, und Opfer allein gelassen werden. Opfer haben den Schaden, die Schmerzen und einen jahrelangen, nervenaufreibenden Rechtsstreit und Paragraphen-Dschungel vor sich.

Gaffer

Der Unfall – Es könnte jeden treffen!

Nun geht doch schon zur Seite, ihr steht bloß hier herum,
könnt ihr denn nicht begreifen, die Neugier bringt sie um.
Wir kommen nicht zum Wagen, die Gaffer stehen dicht,
die Meute kann nur glotzen, doch helfen tun sie nicht.

Das Publikum erschauert, der Wagen jetzt schon brennt,
doch nach wie vor die Mauer, und keiner Gnade kennt.
Die Helfer müssen schreien, lasst uns doch hier vorbei,
die Menge will verweilen, als wenn es nötig sei.

Begierig und versessen, betrachten sie das Bild,
dort kann man Würstchen essen, wer hat noch nicht, wer will?
Die Polizei holt Leichen, der Wagen ist verbrannt,
die Geier woll’n nicht weichen, sie schauen wie gebannt.

Im Protokoll da steht es, die Hilfe kam zu spät,
wir wurden aufgehalten, weil Dummheit nicht vergeht.
Versessen nur auf Bilder, zu Hause wird erzählt,
es war ein schlimmer Unfall, der Alltag weiter geht.

Wo bleiben die Gesetze, sperrt diese Mörder ein,
dann werdet ihr viel schneller, bei den Verletzten sein.
Hier könnt ihr Gelder sammeln, der Staat er würde reich,
ein Bußgeld denen allen, wer nicht zur Seite weicht.

Aus dem Gedichtsband von Wilhelmine 1992

Feuerwehr löscht auto

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